Psychologie verständlich

Begriffe aus Bindung und Dating, kurz erklärt

Kurze Erklärungen zu Begriffen, die in Beziehungen und beim Kennenlernen immer wieder auftauchen, jeweils mit einem Beispiel aus dem Alltag und Quellen zum Weiterlesen.

Ausführlich erklärt, mit Studien

Bindung

Bindungsstile

Die Bindungsforschung beschreibt vier typische Muster, die zeigen, wie Menschen mit Nähe, Vertrauen und Distanz in Beziehungen umgehen. Grundlage dafür sind zwei zentrale Fragen. Wie sehr vertraue ich anderen Menschen? Und wie sehr glaube ich, es wert zu sein, geliebt zu werden?

Ein Beispiel: Du antwortest nicht innerhalb einer Stunde, und schon kommt: „Hey, alles okay? Hoffe, ich habe nichts Falsches gesagt.“

Den vierten Stil nennt der Bindungstest „desorganisiert“. In der Forschung zu Erwachsenen heißt dieses Muster auch „ängstlich-vermeidend“.

Quellen

  • Bartholomew, K., & Horowitz, L. M. (1991). Attachment styles among young adults: A test of a four-category model. Journal of Personality and Social Psychology, 61(2), 226–244. doi:10.1037/0022-3514.61.2.226

Zum Weiterlesen

  • Hazan, C., & Shaver, P. (1987). Romantic love conceptualized as an attachment process. Journal of Personality and Social Psychology, 52(3), 511–524. doi:10.1037/0022-3514.52.3.511

Nähe und Distanz: Bindungsangst und Bindungsvermeidung

Keiner dieser Stile ist besser oder schlechter. Es sind gelernte Strategien im Umgang mit Nähe, die sich mit der Zeit verändern können. Und in der Forschung sind es weniger feste Typen als Ausprägungen auf zwei Dimensionen, Bindungsangst und Bindungsvermeidung. Die meisten Menschen finden sich in mehr als einem Muster wieder.

Ein Beispiel: „Das ist schön. Magst du den Wein hier?“ Thema gewechselt, bevor es zu persönlich wird.

Der Bindungstest auf dieser Website misst genau diese zwei Achsen, mit je sechs Aussagen.

Zum Weiterlesen

  • Brennan, K. A., Clark, C. L., & Shaver, P. R. (1998). Self-report measurement of adult attachment: An integrative overview. In J. A. Simpson & W. S. Rholes (Hrsg.), Attachment theory and close relationships (S. 46–76). Guilford Press.

Fremde Situation

Die Bindungsforschung beobachtet Kleinkinder ab etwa 12 Monaten in einer Situation, in der die Bezugsperson kurz den Raum verlässt und wieder zurückkommt. Dieses Verfahren heißt Fremde Situation und geht auf die Psychologin Mary Ainsworth zurück.

Ein Beispiel: Bei anderen war von außen kaum etwas zu erkennen, während ihre Herzfrequenz spürbar anstieg. Der Stress war also da, nur nicht sichtbar.

Quellen

  • Ainsworth, M. D. S., Blehar, M. C., Waters, E., & Wall, S. (1978). Patterns of attachment: A psychological study of the strange situation. Erlbaum.
  • Sroufe, L. A., & Waters, E. (1977). Heart rate as a convergent measure in clinical and developmental research. Merrill-Palmer Quarterly, 23(1), 3–27.
  • Main, M., & Solomon, J. (1990). Procedures for identifying infants as disorganized/disoriented during the Ainsworth Strange Situation. In M. T. Greenberg, D. Cicchetti & E. M. Cummings (Hrsg.), Attachment in the preschool years (S. 121–160). University of Chicago Press.

Zum Weiterlesen

  • Ainsworth, M. D. S., & Bell, S. M. (1970). Attachment, exploration, and separation: Illustrated by the behavior of one-year-olds in a strange situation. Child Development, 41(1), 49–67. doi:10.2307/1127388

Dating-Phänomene

Lovebombing

Lovebombing und echte Verliebtheit fühlen sich am Anfang fast gleich an: starke Gefühle, viel Aufmerksamkeit und schon früh der Satz „So habe ich noch nie gefühlt“. Der Unterschied zeigt sich erst, wenn du eine Grenze setzt.

Ein Beispiel: Du kennst die Person seit zwei Wochen, und schon heißt es: „Ich habe noch nie so für jemanden gefühlt.“

Zum Weiterlesen

  • Aron, A., Fisher, H. E., Mashek, D. J., Strong, G., Li, H., & Brown, L. L. (2005). Reward, motivation, and emotion systems associated with early-stage intense romantic love. Journal of Neurophysiology, 94(1), 327–337. doi:10.1152/jn.00838.2004
  • Strutzenberg, C., Wiersma-Mosley, J., Jozkowski, K., & Becnel, J. (2017). Love-bombing: A narcissistic approach to relationship formation. Discovery, The Student Journal of Dale Bumpers College of Agricultural, Food and Life Sciences, 18(1), 81. doi:10.54119/discovery.zxgc9960

Orbiting

Eine Person schaut sich regelmäßig deine Stories an, antwortet aber nie auf deine Nachrichten. Sie bleibt am Rand deines Lebens präsent, um bei Bedarf wieder aktiv zu werden.

Intermittierende Verstärkung

Zuwendung, die unregelmäßig und unvorhersehbar kommt, hält oft stärker fest als verlässliche. Nach einer Phase der Stille fühlt sich jede kleine Aufmerksamkeit wie ein Gewinn an.

Ein Beispiel: Drei Tage Dauerkontakt, und dann von einer Sekunde auf die andere nichts mehr.

Den Begriff hat die Lernpsychologie geprägt. Für das Kennenlernen ist die Übertragung plausibel, aber nicht direkt untersucht.

Quellen

  • Ferster, C. B., & Skinner, B. F. (1957). Schedules of reinforcement. Appleton-Century-Crofts.

Limerenz

Limerenz ist eine Form zwanghafter Verliebtheit, die von Unsicherheit lebt. Je unklarer ist, ob die andere Person dich wirklich will, desto stärker kann die emotionale Besessenheit werden. Limerenz ist ein Begriff aus der Psychologie, keine Diagnose.

Ein Beispiel: Euphorie bei einer Nachricht, Absturz bei Schweigen.

Quellen

  • Tennov, D. (1979). Love and limerence: The experience of being in love. Stein and Day.

Allein sein

Einsamkeit und Alleinsein

Die Forschung trennt Alleinsein und Einsamkeit klar. Es kommt weniger darauf an, ob jemand allein ist, als darauf, ob er es gewählt hat. Freiwilliger Rückzug hängt mit Erholung und emotionaler Ausgeglichenheit zusammen, unfreiwilliger mit dem Gegenteil.

Ein Beispiel: Sobald es still wird, greifst du zum Handy, schreibst jemanden an oder lenkst dich ab.

Zum Weiterlesen

  • Nguyen, T. T., Ryan, R. M., & Deci, E. L. (2017). Solitude as an approach to affective self-regulation. Personality and Social Psychology Bulletin, 44(1), 92–106. doi:10.1177/0146167217733073
  • Hawkley, L. C., & Cacioppo, J. T. (2010). Loneliness matters: A theoretical and empirical review of consequences and mechanisms. Annals of Behavioral Medicine, 40(2), 218–227. doi:10.1007/s12160-010-9210-8

Diese Erklärungen ersetzen keine Beratung, Diagnose oder Psychotherapie.